Mit der Na­tio­nal­mann­schaft CP auf Sankt Pau­li

DONAU-POST | DIENSTAG, 12. SEPTEMBER 2017
Wörths Stür­mer Da­ni­el Sperl er­ziel­te zwei To­re im Län­der­spiel ge­gen Dä­ne­mark. Mit un­se­rer Zei­tung spricht er über sei­ne Er­leb­nis­se, sei­ne Be­hin­de­rung und den TSV: „Ei­ne gei­le Trup­pe !“

Daniel Sperl (links) mit Bundestrainer Conny Frank Fritsch. Bei der deutschen Nationalmannschaft CP trägt er – wie beim TSV Wörth – die Nummer 14. „Ich will noch oft für das Nationalteam auflaufen“, sagt er. (Fotos: privat)
Beim TSV Wörth trägt Daniel Sperl seit zwei Jahren die Nummer 14. Die geliebte 14 trug er auch in der Vorwoche, allerdings war diese auf ein Trikot der DFB-Nationalmannschaft geflockt. Der pfeilschnelle Offensivspieler war mit der Nationalmannschaft CP in Hamburg unterwegs und erzielte im Länderspiel gegen Dänemark beim 11:1-Sieg auf Sankt Pauli zwei Treffer. Am Sonntag war er dann wieder für den Kreisklassen-Spitzenreiter TSV Wörth im Heimspiel gegen Mintraching am Ball. Die Wörther sind stolz auf ihren Nationalspieler. Daniel Sperl freut sich auf weitere Einsätze im Nationaltrikot. Mit unserer Zeitung spricht der 27-jährige Sportler und Familienvater über CP-Fußball, seinen Unfall, seine Behinderung und den TSV Wörth.Donau-Post: Herr Sperl, Gratulation zu Ihrem Doppelpack gegen Dänemark ! Erzählen Sie etwas über die vergangenen Tage …Daniel Sperl: Nach einer längeren Pause wurde ich vom neuen Bundestrainer Conny Frank Fritsch zum Länderspiel gegen Dänemark in Hamburg eingeladen. Am Montag reiste ich mit meinen 14 Teamgefährten an. Nach einer Trainingseinheit am Montagabend stand am Dienstagvormittag auf dem Gelände des FC Sankt Pauli das Länderspiel gegen Dänemark an. Es läuft einem eiskalt über den Rücken, wenn die Nationalhymne ertönt und man für sein Land auflaufen darf. Wir gewannen mit 11:1, wobei ich zwei Tore erzielen konnte.Was genau versteht man denn unter Nationalmannschaft CP ?Aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls im Jahr 2006 kann ich meinen rechten Arm nicht mehr voll bewegen. Ich kann ihn weder heben noch zur rechten Seite bewegen. Beim Unfall erlitt ich Nervenwurzelausrisse, die irreparabel sind. Auch meine Teamkollegen in der Nationalmannschaft CP, das steht für Cerebralparese, haben mit Spastiken zu kämpfen.Wie viele Länderspiele haben Sie bereits absolvieren können ?Das Spiel gegen Dänemark war für mich das bisher zehnte Länderspiel für die Nationalmannschaft CP. Mein Länderspieldebüt feierte ich im Jahr 2014. Bereits bei meinem ersten Lehrgang in Braunschweig standen nämlich zwei Freundschaftsspiele gegen die Niederlande an. Bis Mitte 2015 wurde ich regelmäßig zu Länderspielen eingeladen. Danach entschied sich der damalige Bundestrainer leider dafür, mich nicht mehr zu berücksichtigen. Der neue Trainer Conny Frank Fritsch hingegen baut voll auf mich, was mich sehr freut.Wie ist der Spielmodus ?Gespielt wird auf einem D-Jugend-Feld, das von Strafraum zu Strafraum eines Großfeldes reicht. Wir spielen allerdings nicht elf gegen elf, sondern sieben gegen sieben. Zu den regelmäßig stattfindenden Lehrgängen und Länderspielen werden immer 15 Spieler eingeladen. Ich hoffe, dass ich noch sehr oft mit dabei sein werde. Vorige Woche fand am Mittwochvormittag ein Länderspiel vor den Toren des bekannten Millerntor-Stadions auf Sankt Pauli in Hamburg statt. Abends waren wir und die Nationalmannschaft aus Dänemark zu einem Gesundheitskongress, ausgerichtet vom Deutschen Rollstuhlverband, samt Galaabend eingeladen. Im „Schuppen 52“ im Hafengebiet wurde ein Fußballfeld aus Parkettboden errichtet, den eigentlich der Rollstuhlverband für Basketballspiele nutzt. Somit trugen wir auf Hallenboden vor rund 1 000 Zuschauern nochmals für zwei mal zehn Minuten ein inoffizielles Länderspiel aus. Das war ein Erlebnis der besonderen Art, da dieser Fußballsport in Deutschland noch sehr unbekannt ist. Dieses Event kam bei den geladenen Zuschauern sehr gut an und beide Seiten standen nach dem Spiel bei der Galaveranstaltung gerne Rede und Antwort. Ich hoffe, noch oft bei solchen Events oder großen Turnieren für die Nationalmannschaft CP auflaufen zu können.Wo finden die Lehrgänge statt ?Einen festen Stützpunkt gibt es nicht, da das Einzugsgebiet im ganzen Land verteilt und die Möglichkeit für solche Lehrgänge an mehreren Standorten in Deutschland gegeben ist. Am 22. und 23. September steht für mich bereits der nächste Einsatz an. Dann nehmen wir an einem Benefizturnier in Leipzig teil.Welche Ziele verfolgen Sie ?Zum einen will ich noch oft für das Nationalteam auflaufen, zum anderen möchte ich mit dem TSV Wörth den lang ersehnten Aufstieg in die Kreisliga packen. Ich wurde in Wörth hervorragend aufgenommen. Wir sind ein verschworener Haufen, der gemeinsam etwas erreichen will. Der Wechsel von Kirchroth nach Wörth war für mich ein absoluter Glücksfall. Ich bin Trainer Walter Luttner sehr dankbar, dass er sich damals so um mich bemüht hat. Auch meine Frau und meine beiden Kinder fühlen sich beim TSV sehr wohl. Mit Verlaub: Es ist eine geile Truppe!Fühlen Sie sich im Spiel gehandicapt durch ihre Behinderung ?Sagen wir lieber in manchen Situationen eingeschränkt, da ich meinen rechten Arm nicht steuern und zur Seite bewegen kann. Beim Laufen sieht es zwar manchmal komisch aus, dennoch lasse ich mich davon nicht irritieren und mache das Beste daraus. Das Wichtigste ist, dass ich mich behaupten und durchsetzen kann. Viele Trainer oder Gegenspieler sprechen mich selbst oder meine Mitspieler an und sind begeistert, weil ich gegen nicht behinderte Sportler mithalten und mich beweisen kann. Das erfüllt mich schon ein bisschen mit Stolz.Wie sieht es mit Geldern und Sponsoren aus ?Aktuell haben wir drei Sätze Trikots zur Verfügung. Dabei ist aber nur ein Satz mit vier Sternen dabei, da die Gelder für den Behindertensport beschränkt sind. Erst zu Großveranstaltungen wie einer EM oder einer WM gibt es dann neue Kleidung. Der Verband und die Nationalmannschaft freuen sich über jede Spende, auf die wir zum Großteil angewiesen sind. Zu den Lehrgängen gibt es übrigens konkrete Ablaufpläne inklusive einer festen Kleiderordnung, die allerdings vom Verband gestellt wird. Organisiert werden sie vom DBS, dem Deutschen Behindertensportverband.Gibt es nur Auswahlen auf Bundesebene ?Im Oktober wird eine Landesauswahl Bayern ins Leben gerufen. Auch da besteht das Trainerteam wie bei der Nationalmannschaft aus Conny Frank Fritsch und Robert Fritzsche. Unterstützt wird die Auswahl vom BFV. Es werden noch interessierte Spieler gesucht.Interview: Markus Schmautz