„Im­mer am Ball blei­ben“

Donau-post | DIENSTAG, 12. SEPTEMBER 2017
Wie sich der Fuß­bal­ler Da­ni­el Sperl nach ei­nem schwe­ren Un­fall ins Le­ben zu­rück­käm­pfte

Angreifer Daniel Sperl möchte mit dem TSV Wörth in die Kreisliga zurückkehren. (Foto: Schmautz)
Wörth. (mas) „Daniel ist gut am Ball, ist schnell und zeigt eine vorbildliche Einstellung“, lobt Wörths Trainer Walter Luttner seinen Offensivspieler Daniel Sperl. Und seit kurzem setzt auch der Bundestrainer der Nationalmannschaft CP wieder auf den 27-jährigen Angreifer des TSV Wörth. Daniel Sperl, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist darüber sehr glücklich. Er hat sich zurückgekämpft ins Leben, musste harte Zeiten durchmachen, um wieder arbeiten und Fußball spielen zu können.Im Jahr 2006 war der damals 16-Jährige in einen schrecklichen Verkehrsunfall involviert. Nach vielen Aufenthalten in Krankenhäusern – inklusive einiger Fehldiagnosen – wurde Daniel Sperl in Günzburg erfolgreich operiert. „Erst danach kam die Bizeps-Funktion meines rechten Armes wieder zurück.“ Viele Reha-Maßnahmen folgten und werden noch folgen.Bereits kurze Zeit nach dem verheerenden Unfall fasste Sperl wieder Mut und setzte sich Ziele. Vorbild war sein Vater Karl Heinz, der 22 Jahre zuvor (1984) ebenfalls durch einen Verkehrsunfall eine spastische Parese und weitere schwere Verletzungen davongetragen hatte. „Mein Vater kämpfte sich zurück ins Leben und arbeitet schon lange wieder als Straßenmarkierer. Wie es das Schicksal wollte, sollte mich das gleiche Unglück wie ihn ereilen.“Daniel begann zu kämpfen, ließ sich nicht entmutigen, wollte alles dafür tun, seinen Arm wieder so bewegen zu lernen, wie es seinem Vater gelungen war. „Das schaffte ich in relativ kurzer Zeit. Somit setzte ich mir immer wieder neue Ziele“, sagt Sperl. Seinen Beruf als Kfz-Mechatroniker konnte er allerdings nicht mehr ausüben.Deshalb schulte er um. Nun arbeitet er als Technischer Zeichner bei der Firma Lausser in Pilgramsberg. Sperl kann zwar seinen Arm nicht heben und nicht zur rechten Seite bewegen, allerdings kann er die rechte Hand und die Finger frei bewegen. „Somit kann ich am Computer arbeiten und mit einem Stift schreiben.“ Die Maus allerdings bedient er mit links, denn das gehe rascher vonstatten. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich habe umgelernt, die linke Hand trainiert.“Mit seiner Behinderung geht Daniel Sperl offen um, er steht Fragen jederzeit aufgeschlossen gegenüber, spricht über sein Leiden, bleibt dabei aber immer optimistisch. „Man muss immer am Ball bleiben, sich stets weitere kleine, erreichbare Ziele setzen, sich aber auch darüber im Klaren sein, dass nicht mehr alles machbar ist. Damit muss man sich abfinden!“ Regelmäßig stehen für ihn im Reha-Zentrum in Straubing Behandlungen und Maßnahmen an. Ziel ist es nicht nur, Verbesserungen herbeizuführen, sondern auch den Status quo beizubehalten.Apropos am Ball bleiben: Fußball begeisterte Daniel Sperl schon als kleinen Jungen. So versuchte er bereits im Jahr 2007, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen. Und das mit beachtlichem Erfolg. Vor seinem Wechsel nach Wörth spielte er unter anderem für Bernried und Kirchroth in der Bezirksliga. In der vorigen Saison gelangen ihm in 14 Einsätzen für den Kreisklassisten TSV Wörth drei Tore und vier Vorlagen, wobei er nach einem bösen Foul zwischenzeitlich vier Monate zuschauen musste.In der aktuellen Spielrunde lief er bisher fünfmal für den TSV auf, wobei er bereits zwei Treffer vorbereiten konnte. Fußball ist für den Saulburger wichtig, ist sein absolutes Lieblingshobby. Geschont werden oder Mitleid zugesprochen bekommen will er nicht. Sperl will mit seiner Power gegen nicht behinderte Menschen bestehen und seinen Anteil dazu beitragen, den TSV Wörth in die Kreisliga zurückzuschießen.Nach sechs Siegen aus den ersten sechs Spielen sieht es gut aus für den TSV. Und Sperl geht voran, im Fußball wie im Leben: „Man darf niemals aufgeben, sich nicht hängen lassen. Man muss sich immer neue – realistische – Ziele setzen.“